Nicht richtig schwach, aber auch noch nicht wirklich auf Erfolgskurs: Ähnlich wie das tunesische Fußball-Team steht auch die Wirtschaft des nordafrikanischen Landes da. Seine Pro-Kopf-Wirtschaftsleistung liegt kaufkraftbereinigt lediglich bei knapp einem Viertel des deutschen Bruttoinlandsprodukts. Im Nordafrika-Vergleich ist das Mittelmaß: besser als Libyen und Marokko, schlechter als Algerien und Ägypten.

Von Tunesien gingen die Revolutionen des Arabischen Frühlings Anfang 2011 aus – und es gilt als einziges Land, dem daraus kein größerer politischer und ökonomischer Schaden entstanden ist. Trotzdem demonstrierten im Januar 2018 Tausende junger Menschen gegen die prekäre soziale Lage: Das Hauptproblem ist die mit gut 35 Prozent exorbitante Jugendarbeitslosigkeit – und zwar in einem Land, in dem 40 Prozent der Bevölkerung jünger als 25 Jahre sind. Zum Vergleich: In Deutschland trifft dies auf gerade 24 Prozent der Einwohner zu.

Weil es genau diese Perspektivlosigkeit ist, die auch 2017 wieder mehr als 7.000 Tunesier zu der riskanten Flucht über das Mittelmeer gen Italien trieb, setzt die Bundesregierung mit ihrer Entwicklungshilfe nun buchstäblich darauf, die Fluchtursachen vor Ort zu bekämpfen: Anfang 2017 hat die deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) gemeinsam mit der tunesischen Arbeitsagentur eine Arbeitsvermittlung in der Hauptstadt Tunis eröffnet.

Leicht haben es die Berater im deutsch-tunesischen Jobcenter nicht. Hoffnung machen derzeit lediglich die Automobilzulieferer und die Elektronik-Industrie. Die wichtige Tourismuswirtschaft jedoch erholt sich nur langsam von den Folgen zweier Terroranschläge im Jahr 2015, und die Phosphat verarbeitende Chemie ist von Streikwellen gebeutelt.

Auch das einstige Aushängeschild der tunesischen Wirtschaft, die Textil- und Bekleidungs-Industrie, steckt in einer schweren Krise, zu dominant ist die Konkurrenz aus Asien – nicht einmal die tunesischen WM-Trikots werden im eigenen Land produziert.

 

Tunesien-Trikot
Fußball­fakten
  • Bisherige WM-Teilnahmen: 4
  • WM-Titel: 0
  • FIFA-Weltrangliste: 23
  • Top-Star: Wahbi Khazri
Wirtschafts­fakten
  • Bevölkerung: 11,3 Millionen
  • Fläche: 22,1 Millionen Fußballfelder
  • BIP: 35,6 Milliarden Euro
  • BIP pro Kopf: 3.094 Euro
  • Erwerbslosenquote: 13 %
  • Staatsverschuldung (in % des BIP):
    71,3 %
  • Regierungssystem: Semipräsidentielles System