Wer weiß, wenn Jugoslawien bei der Europameisterschaft 1992 in Schweden hätte mitspielen dürfen, wäre vielleicht der Titel drin gewesen. Qualifiziert hatte sich die Republik für das Turnier, aber schließlich wurde sie wegen des Bürgerkrieges im Land ausgeschlossen. Dänemark rückte nach und gewann das Finale – gegen Deutschland. Jugoslawien gibt es nicht mehr, aber seine ehemalige Teilrepublik Serbien. Der junge Westbalkanstaat hat sich nun nach dem Turnier in Südafrika 2010 die zweite Teilnahme als eigenständiges Land an einer Weltmeisterschaft gesichert. Sportlich ist Serbien also deutlich im Aufwärtstrend.

Auch wirtschaftlich ist das Land nach der postsozialistischen Flaute endlich auf Wachstumskurs, wenn auch noch langsam. Das Bruttoinlandsprodukt wächst das zehnte Quartal in Folge. Der private Konsum zieht an, der Einzelhandel profitiert besonders davon. Die öffentlichen Gehälter und die Renten steigen. Und auch der Außenhandel gedeiht. So legten die Exporte im vergangenen Jahr um 13 Prozent zu.

Der wichtigste Handelspartner Serbiens ist übrigens Deutschland. Die beiden Länder verzeichnen einen Warenaustausch von vier Milliarden Euro. Die staatlichen Investitionen legen zu. Ein Treiber dieser positiven Entwicklung ist der EU-Beitrittsprozess. Schon 2025 könnte Serbien der Staatengemeinschaft beitreten. Zwar müssten bis dahin viele Reformschritte gegangen werden. Aber Serbien kann hier auf potente Hilfe hoffen. Auch die Bundesregierung unterstützt das Land an dieser Stelle.

Geostrategisch wäre ein Beitritt Serbiens auch für die EU durchaus wichtig. Denn auch Russland streckt seine Fühler nach dem Balkanstaat aus. Zum WM-Gastland pflegt Serbien bekanntlich traditionell eine gute Beziehung. Die scheint sich auch auf dem grünen Rasen zu zeigen: Branislav Ivanovic, Spielführer und Topstar der serbischen Auswahl, schnürt mittlerweile für Zenit Sankt Petersburg die Kickstiefel.

Serbien-Trikot
Fußball­fakten
  • Bisherige WM-Teilnahmen: 11
  • WM-Titel: 0
  • FIFA-Weltrangliste: 34
  • Top-Star: Branislav Ivanovic
Wirtschafts­fakten
  • Bevölkerung: 7 Millionen
  • Fläche: 10,8 Millionen Fußballfelder
  • BIP: 36,7 Milliarden Euro
  • BIP pro Kopf: 5.221 Euro
  • Erwerbslosenquote: 16 %
  • Staatsverschuldung (in % des BIP):
    61,5 %
  • Regierungssystem: Parlamentarische Demokratie