Auf Anhieb scheint klar: Senegal – naja, irgendwie egal… Die Fußballer mit dem martialischen Teamnamen „Löwen von Teranga“ haben ja bislang nicht einmal den Africa-Cup gewonnen. Und als Nationalsport des Landes an der westafrikanischen Küste gilt sowieso ein traditioneller Ringkampf.

Ökonomisch sieht’s noch düsterer aus. Der Senegal ist eines der ärmsten Länder der Welt. Jeder Zweite dort kann nicht lesen, jeder Fünfte ist unterernährt. Die meisten Menschen arbeiten in der witterungsabhängigen, unproduktiven Landwirtschaft oder im (immerhin devisenbringenden) Fischfang. „Industrie und Tourismus sind in Entwicklung begriffen“, notiert die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit. Die Arbeitslosigkeit ist hoch, die im Schnitt ohnehin extrem junge Bevölkerung wächst und wächst.

Aber oft lohnt eben ein zweiter Blick. So auch hier: Der Senegal ist eine der stabilsten Demokratien in ganz Afrika. In Sachen wirtschaftliche Freiheit oder politische Institutionen etwa schneidet das Land deutlich besser ab als bei der Wirtschaftsleistung pro Kopf. Kein Wunder, dass reichere Länder sich gerne engagieren, um den Senegal voranzubringen. Die reale Wirtschaftsleistung dürfte laut Internationalem Währungsfonds auch weiterhin um 7 Prozent pro Jahr wachsen, Inflation ist kein Problem, Währungsschwankungen müssen Investoren nicht fürchten: Der CFA-Franc ist an den Euro gekoppelt. Das Grundgerüst für eine bessere wirtschaftliche Zukunft steht.

Und im Fußball? 2002, bei ihrer ersten WM-Teilnahme, schafften es die „Löwen“ gleich bis ins Viertelfinale. 2018, beim zweiten Anlauf, will sich die Elf um Starstürmer Sadio Mané (FC Liverpool) zumindest nicht blamieren. Auch viele andere Leistungsträger spielen in Europa, Salif Sané etwa, Abwehrchef bei Hannover 96. Möglich also, dass aus dem durchaus ansehnlichen Kader erneut eine stabile Mannschaft erwächst.

Senegal-Trikot
Fußball­fakten
  • Bisherige WM-Teilnahmen: 1
  • WM-Titel: 0
  • FIFA-Weltrangliste: 27
  • Top-Star: Sadio Mané
Wirtschafts­fakten
  • Bevölkerung: 16 Millionen
  • Fläche: 27,5 Millionen Fußballfelder
  • BIP: 14,5 Milliarden Euro
  • BIP pro Kopf: 919 Euro
  • Erwerbslosenquote: 9,5 %
  • Staatsverschuldung (in % des BIP):
    61,2 %
  • Regierungssystem: Präsidentielle Demokratie