Die Erde Perus bebt. Wissenschaftler sehen es deutlich auf ihren Messgeräten. Eine Frühwarn-App gibt Alarm. Eigentlich nichts Besonderes. Auf der Liste der erdbebengefährdeten Länder belegt Peru Rang sechs. Doch dieses Mal, im November 2017, waren nicht die Erdplatten schuld, sondern ein Ex-Schalker: Jefferson Farfan hatte im entscheidenden WM-Qualifikationsspiel gegen Neuseeland zum 1:0 getroffen. Ein ganzes Land sprang damals von Sofas und Barhockern und ließ die Seismografen ausschlagen. Nach 36 Jahren hatte sich Peru wieder für eine WM qualifiziert.

Ähnlich turbulente Tage wie der Fußball durchlebt auch die Wirtschaft. Peru ist einer der größten Rohstofflieferanten der Welt. Metalle und Minerale sorgen für mehr als die Hälfte der Exporteinnahmen. Schon lange ist Peru daher dem ständigen Auf und Ab der Rohstoffpreise ausgesetzt. Im Frühjahr 2017 rissen dann auch noch schwere Überschwemmungen das sensible Exportgeschäft runter: Güter konnten nicht mehr aus den Bergen zu den Verladehäfen an der Küste transportiert werden. Export und Konsum knickten ein.

Die Regierung möchte daher 2018 kräftig in die Infrastruktur investieren. Wegen zahlreicher Korruptionsskandale liegen viele Vorhaben jedoch erst mal auf Eis. Das wohl größte Korruptionsbeben brachte im März 2018 den damaligen Präsidenten Kuczynski zu Fall. Für seinen Nachfolger, Präsident Vizcarra, steht neben der Korruptionsbekämpfung vor allem der Kampf gegen Armut ganz oben auf der To-do-Liste. Trotz großer Fortschritte sind Einkommen und Vermögen immer noch sehr ungleich verteilt.

Trotz der vielen politischen und wirtschaftlichen Beben im Land haben die Peruaner ihren Optimismus nicht verloren. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Ipsos sagten 93 Prozent, dass 2018 besser als das Vorjahr werde. In keinem anderen Land der Welt blickten so viele Menschen hoffnungsvoll in die Zukunft. Wenn die Fußball-Nationalmannschaft unter Trainer Ricardo Gareca mit dem gleichen unverwüstlichen Glauben aufläuft, könnte sie für manche Überraschung gut sein.

Peru-Trikot
Fußball­fakten
  • Bisherige WM-Teilnahmen: 4
  • WM-Titel: 0
  • FIFA-Weltrangliste: 11
  • Top-Star: Jefferson Farfan
Wirtschafts­fakten
  • Bevölkerung: 31,8 Millionen
  • Fläche: 1.800 Millionen Fußballfelder
  • BIP: 190 Milliarden Euro
  • BIP pro Kopf: 5.985 Euro
  • Erwerbslosenquote: 6,7 %
  • Staatsverschuldung (in % des BIP):
    25,5 %
  • Regierungssystem: Semipräsidentielles System