Geplant war der Durchmarsch ins Halbfinale: Schließlich traf bei der WM 1998 der amtierende Europameister Deutschland auf den Fußball-Zwerg Kroatien. Doch nach dem Schlusspfiff standen Klinsmann und Co. ziemlich ratlos auf dem Platz. Das klare 0:3 von Lyon war eine Demütigung für die deutsche Nationalmannschaft. Das „kleine Kroatien“ war mit einem Schlag auf der großen Fußball-Bühne angekommen.

Auch wirtschaftlich lief es rund in den 90er Jahren. Vor allem der Tourismus ließ die kroatische Wirtschaft stark wachsen, und die Deutschen zeigten schnell, dass sie die WM-Pleite nicht übel nahmen. Zu Hunderttausenden strömten sie an die Strände von Pula oder schlenderten durch die historischen Altstädte. 2017 zog es 2,6 Millionen Deutsche an die Adria, aus keinem anderen Land kamen mehr Menschen. Der Tourismus macht rund 20 Prozent des Bruttoinlandsprodukts Kroatiens aus.

Die Hoffnung war groß, dass die Entwicklung anhält. Doch was folgte, war ein zähes Auf und Ab im Rhythmus der Weltwirtschaft. Schon Ende 1998 kam es zu einer ersten kleinen Finanzkrise, die Wirtschaft wuchs langsamer und rutschte 1999 sogar in die Rezession.
2008 brach die kroatische Wirtschaft im Zuge der weltweiten Finanzkrise – nach Jahren der Erholung – erneut ein. Sogar die Zahl der Touristen sank, wenn auch nur leicht. Es dauerte mehrere Jahre, bis sich das Land erholte. Erst seit 2014 brummt die Wirtschaft wieder.

Übrigens: Nach beiden Wirtschaftskrisen schwächelte auch die Nationalmannschaft. So wurde nach der fulminanten WM 1998 die Qualifikation zur Europameisterschaft 2000 verpasst. Auch die WM 2010 in Südafrika konnten die Kroaten nur aus der Ferne verfolgen.
Bei der WM 2014 ließ die Nationalmannschaft wieder mit starken Leistungen aufhorchen, scheiterte jedoch unglücklich in der Vorrunde. Mit ihrem Superstar Luka Modrić wollen sie nun in Russland wieder für Aufsehen sorgen und zum ersten Mal seit 1998 die Vorrunde überstehen. Die Wirtschaft spielt zumindest wieder mit.

Kroatien-Trikot
Fußball­fakten
  • Bisherige WM-Teilnahmen: 4
  • WM-Titel: 0
  • FIFA-Weltrangliste: 17
  • Top-Star: Luka Modrić
Wirtschafts­fakten
  • Bevölkerung: 4 Millionen
  • Fläche: 7,9 Millionen Fußballfelder
  • BIP: 48,2 Milliarden Euro
  • BIP pro Kopf: 11.627 Euro
  • Erwerbslosenquote: 13,9 %
  • Staatsverschuldung (in % des BIP):
    78,4 %
  • Regierungssystem: Parlamentarisches Regierungssystem