Fußballspielen kann tödlich sein. Zumindest als Nationalspieler in Kolumbien: Nach der Weltmeisterschaft 1994 wurde Verteidiger Andrés Escobar mit zwölf Schüssen niedergestreckt – höchstwahrscheinlich, weil er durch ein Eigentor im Vorrundenspiel gegen die USA das Aus seiner Mannschaft besiegelte.

Bis heute ist nicht geklärt, wer ihn erschossen hat: enttäuschte Fans, ein Familienmitglied oder die Wettspielmafia. Letztere hat enge Verbindungen zur kolumbianischen Drogenmafia. Denn schon vor der Weltmeisterschaft 1982 gründete ein Drogenmafiaboss ein Fußball-Toto, bei dem man beispielsweise auf die erste Auswechslung wetten konnte.

Apropos Drogen: Die sind noch immer ein wichtiger Wirtschaftsfaktor Kolumbiens – auch wenn Zahlen naturgemäß schwer zu bekommen und noch schwerer zu verifizieren sind. Doch andere, legale Wirtschaftszweige und Projekte machen Kolumbien zu einem immer interessanteren, zukunftsorientierten Standort, der vermehrt internationale Investoren anlockt: Der südamerikanische Staat – nach Brasilien der zweitgrößte des Kontinents – verfolgt ganz offiziell eine „Strategie für digitale Ökonomie“. Er verfügt über eine der am schnellsten wachsenden Informationstechnologie-Industrien der Welt und hat mit 19.000 Kilometern das längste Glasfasernetz Lateinamerikas.

Ab 2019 sollen die kolumbianischen Internetprovider den Bürgern Download-Geschwindigkeiten von mindestens 25 Megabyte pro Sekunde gewährleisten – das wäre mehr als in Deutschland. Da ist es verständlich, dass es Kolumbien im Dynamikranking der IW Consult, für das die Tochtergesellschaft des Instituts der deutschen Wirtschaft 46 Industrienationen verglichen hat, auf Rang drei schafft.
Eine entsprechende Platzierung bei der Fußballweltmeisterschaft scheint für die digital vernetzte Nation indes eher unwahrscheinlich: Der Gewinn der Copa América 2011 war bislang der größte fußballerische Erfolg.

Kolumbien-Trikot
Fußball­fakten
  • Bisherige WM-Teilnahmen: 5
  • WM-Titel: 0
  • FIFA-Weltrangliste: 13
  • Top-Star: James Rodríguez
Wirtschafts­fakten
  • Bevölkerung: 49,3 Millionen
  • Fläche: 159,5 Millionen Fußballfelder
  • BIP: 274 Milliarden Euro
  • BIP pro Kopf: 5.551 Euro
  • Erwerbslosenquote: 9,3 %
  • Staatsverschuldung (in % des BIP):
    49,4 %
  • Regierungssystem: Präsidentielle Demokratie