Mit dem martialischen Schlachtruf „Hu“ feierten Islands Fans und Spieler bei der EM 2016 die sensationellen Erfolge des Teams. Rückstand gegen Portugal egalisiert, Österreich in letzter Minute geschlagen und gegen England das Spiel komplett gedreht – die blonden Fußballwikinger bewiesen in Frankreich mit Kraft, Mut und Ausdauer mehrfach ihre Comeback-Qualitäten.

Mit dem gleichen Elan hat das Land auch das wirtschaftliche Comeback gemeistert. Noch 2008 drohte der Inselstaat, im Strudel der weltweiten Finanzkrise zu versinken: 80 Prozent der Unternehmen und 30 Prozent der Privathaushalte waren damals so gut wie pleite. Der Wert der Isländischen Krone stürzte ab. Die Regierung verstaatlichte Banken, führte Kapitalkontrollen ein, stützte die Konjunktur mit Ausgabenprogrammen und verweigerte den Schuldendienst. Was so mancher ausländische Gläubiger als rüdes Foul empfand.

Heute brummt die Wirtschaft. Allein 2017 wuchs sie um 5,5 Prozent. Besonders der Tourismus gedeiht: 2,3 Millionen Besucher kamen vergangenes Jahr – 30 Prozent mehr als 2016. Die Isländer haben echte Steherqualitäten gezeigt. „Wir orientieren uns am Hier und Jetzt, nicht an der Vergangenheit“, sagt der Soziologe Stefán Ólafsson. Seine Landsleute hätten ein hohes Arbeitsethos und wenig Respekt vor Autoritäten. Eigenschaften, die in Krisen wie beim Fußball hilfreich sein können.

Dazu besitzen die Isländer sowohl Bodenständigkeit als auch Innovationsgeist. So setzen sie neben Fischfang, Alu-Produktion und Tourismus auf moderne Umwelttechnik. In Hellisheidi steht eines der weltweit größten Erdwärmekraftwerke. Es wird durch heiße unterirdische Quellen gespeist. Und nicht nur das: Dort pressen die Isländer neuerdings klimaschädliches CO2-Gas in poröses Basaltgestein.

Auf Bewährtes setzen und gleichzeitig innovativ sein. Als Bewohner einer Insel, die Tausende Kilometer vom Festland entfernt liegt, überlebenswichtige Eigenschaften –und sie funktionieren: wirtschaftlich wie fußballerisch.

 

Island-Trikot
Fußball­fakten
  • Bisherige WM-Teilnahmen: 0
  • WM-Titel: 0
  • FIFA-Weltrangliste: 18
  • Top-Star: Gylfi Sigurdsson
Wirtschafts­fakten
  • Bevölkerung: 0,3 Millionen
  • Fläche: 14, 4 Millionen Fußballfelder
  • BIP: 21,1 Milliarden Euro
  • BIP pro Kopf: 62.244 Euro
  • Erwerbslosenquote: 2,8 %
  • Staatsverschuldung (in % des BIP):
    40,9 %
  • Regierungssystem: Parlamentarisches Regierungssystem