Die Fußball-Weltmeisterschaft 2014 hat Spuren hinterlassen in Brasilien. Als „historische Demütigung“, „unvergleichliche Folter“, gar als „größte Schande in der Geschichte“ bezeichnete die brasilianische Presse die Halbfinal-Niederlage gegen Deutschland. Bei der WM im eigenen Land wäre für den Rekordweltmeister alles andere als der Titel schon eine Enttäuschung gewesen – eine so deutliche Niederlage glich einer Tragödie.

Bereits nach einer halben Stunde lagen die Brasilianer mit 0:5 zurück, am Ende stand es 1:7, so hoch hatte die Seleção noch nie bei einem Turnier verloren. Nach der WM setzte sich die Talfahrt fort. Bei der Copa América 2015 – dem Pendant zur Europameisterschaft – schied Brasilien bereits im Viertelfinale aus, im darauffolgenden Jahr war sogar in der Vorrunde Schluss.

Das eigentliche Drama spielt sich in Brasilien jedoch abseits des Platzes ab. Die Proteste vor und während der WM 2014 zeigten bereits, dass das Vertrauen in die Politik erschüttert ist. Die hohen Austragungskosten des Turniers standen im krassen Gegensatz zu den sozialen Missständen im Land – fast 20 Millionen Brasilianer leben von weniger als 3,20 Dollar pro Tag.

Seitdem hat sich die wirtschaftliche Lage weiter verschlechtert: 2015 sank das Bruttoinlandsprodukt um 3,8 Prozent, im darauffolgenden Jahr um 3,6 Prozent. Zwar ist die Wirtschaft 2017 wieder leicht gewachsen, die Arbeitslosenquote liegt jedoch noch immer bei rund 13 Prozent.
Hinzu kommt eine Korruptionsaffäre, die weite Teile der Politik erfasst hat. Die Affäre gipfelte in der umstrittenen Absetzung von Präsidentin Dilma Rousseff im August 2016. Ihr Nachfolger, Michel Temer, steht ebenfalls unter Korruptionsverdacht.

Zumindest im Fußball geht es inzwischen wieder leicht bergauf. Unter Trainer „Tite“ erreichte Brasilien als erste Mannschaft die Qualifikation für die WM 2018. Und auch gegen Deutschland gelang eine kleine Revanche: Beim Freundschaftsspiel in Berlin Ende März gewann Brasilien mit 1:0.

Brasilien-Trikot
Fußball­fakten
  • Bisherige WM-Teilnahmen: 20
  • WM-Titel: 5
  • FIFA-Weltrangliste: 2
  • Top-Stars: Neymar, Gabriel Jesus
Wirtschafts­fakten
  • Bevölkerung: 207 Millionen
  • Fläche: 1.193 Millionen Fußballfelder
  • BIP: 1.819 Milliarden Euro
  • BIP pro Kopf: 8.757 Euro
  • Erwerbslosenquote: 13,1 %
  • Staatsverschuldung (in % des BIP):
    83,9 %
  • Regierungssystem: Präsidentielle Demokratie