Sie waren die ersten Europäer, die das WM-Ticket lösten: Belgiens „Rote Teufel“. Für die Fußball-Fachwelt kam das wenig überraschend. Seit 2014 ist die belgische Nationalelf in den Top Ten der Fifa-Weltrangliste vertreten, 2015 sogar auf Rang eins. Seit Jahren haftet dem Team gar das Etikett Geheimfavorit an. Nur bis ganz nach oben hat es nie gereicht. Das soll sich jetzt endlich ändern, nachdem 2014 im Viertelfinale gegen Argentinien (0:1) Schluss war.

Das gut 30.000 Quadratkilometer große Land mitten in Europa ist aber nicht nur eine feste Größe in der Fußballwelt. Der internationale Handel prägt das Königreich, das als weltweit elftgrößter Güterexporteur gilt. Niemand verkauft mehr Diamanten und Teppiche in alle Welt. Aber auch beim Export von Schokolade kann sich kaum ein Land mit dem für seine Pralinen und Schokolade berühmten Belgien messen. Maschinen, chemische und pharmazeutische Produkte kommen oft hierher, ebenso montierte Autos.

Hinter so viel internationalem Handel steht eine starke Wirtschaft: Mit einem Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt von 38.500 Euro lag Belgien 2017 deutlich über dem EU-Durchschnitt von rund 29.900 Euro, knapp hinter Deutschland (39.500 Euro). Allerdings ist die Wirtschaftskraft noch immer ungleich zwischen Flandern und Wallonien verteilt. Die niederländisch sprechenden Flamen und die französischsprachigen Wallonen sind bis heute gespalten: hier die katholisch-konservativen und vom bäuerlichen Leben geprägten Flamen, dort die kirchenkritisch eingestellten Wallonen aus dem industriellen Arbeiterumfeld. Letztere waren lange die Wohlhabenderen – bis Dienstleistungen und Petrochemie immer wichtiger wurden. Flandern überholte die Wallonie und überweist seitdem jährlich Millionenbeträge an den Südwesten.

Die Fußballnation Belgien dürfte diesen Konflikt am 18. Juni allerdings zum Teufel schicken. Dann ist erster WM-Spieltag für die Belgier gegen Panama. Aus „Diables Rouges“ oder „Rode Duivels“ werden dann wohl einfach „unsere Jungs“.

Belgien-Trikot
Fußball­fakten
  • Bisherige WM-Teilnahmen: 12
  • WM-Titel: 0
  • FIFA-Weltrangliste: 5
  • Top-Star: Eden Hazard
Wirtschafts­fakten
  • Bevölkerung: 11,4 Millionen
  • Fläche: 4,2 Millionen Fußballfelder
  • BIP: 438 Milliarden Euro
  • BIP pro Kopf: 38.570 Euro
  • Erwerbslosenquote: 7,5 %
  • Staatsverschuldung (in % des BIP):
    103,2 %
  • Regierungssystem: Parlamentarische Demokratie